Spuren diskursiver Interpretationsprozesse
für ein elaboriertes Konzept von Signifikanz
DOI:
https://doi.org/10.15475/skms.2024.1.4Abstract
Kraft und Signifikanz liegen im Verhältnis zu solchen Begriffen wie Code und Konvention, Signifikant und Signifikat, Denotation und Konnotation, type und token usw. auch diskursiv-historisch eher an der semiotischen Peripherie. Dass ihnen aber doch eine zentralere Rolle zugewiesen werden kann, lässt sich aus Joschka Brieses programmatischem Beitrag dieses Heftes ableiten. In „Spuren diskursiver Interpretationsprozesse. Für ein elaboriertes Konzept von Signifikanz“ geht Briese dem Begriff „Signifikanz“ verschiedener Zeichentheorien des 20. und 21. Jahrhunderts nach. In diesen Zeichentheorien steht nicht der Begriff der Bedeutung und damit klar feststellbarer Gehalt im Mittelpunkt, sondern die Dynamik diskursiver Praktiken, die über Signifikanz expliziert wird. Wann ist etwas wiederholbar, konventionalisiert oder gar type geworden? Indem von der Dynamik diskursiver Praktiken ausgegangen wird, zeigt sich der Terminus Signifikanz als vorgeordnet. Briese identifiziert zwei grundlegende Aspekte, die Signifikanz dabei zukommen: Sie ist einerseits jener Zeichenaspekt, der die Diskriminierung eines Zeichens aus einem semiotischen Kontinuum ermöglicht (epistemische Signifikanz) und der andererseits sozial-normative und diskursive Elemente aufzeigt, die sich nicht auf Semantik reduzieren lassen (diskursive Signifikanz). Signifikanz wird außerdem mit Signifikation (Zeichenwerdung) in ein Verhältnis gesetzt: Zeichen weisen demnach eine spezifische Signifikanz deshalb auf, weil sie Folgen von Signifikationen sind, die auf bestimmter Kraft beruhen, wie es die anderen Autor*innen des Heftes vorführen. Daher kann über Signifikanz sowohl das Prozesshafte als auch die Kraft von Praktiken offengelegt werden.