Sprachliche Konstitutionen von Drittpersonalität
eine semantisch/pragmatische Analyse von distanzmarkierenden Verben in drittpersonalen Aussagen öffentlicher Texte
DOI:
https://doi.org/10.15475/skms.2024.1.3Abstract
Zunächst werden drei Arbeitshypothesen präsentiert und deren Gültigkeit anschließend anhand von sieben ausgewählten Analysebeispielen überprüft. Während in indirekter Rede und verschiedenen Modi wie nicht zuletzt dem Konjunktiv I klassischerweise die kanonische Distanzmarkierung gesehen wird, fokussiert Kitzerow auf einen semantisch-handlungstheoretischen Aspekt. Er folgt dieser Spur mit der These, die Kennzeichnung von Distanz als unterlassener oder gar zurückgewiesener Übernahme von Verantwortung für semantische Gehalte geschehe ausschließlich vermittels Verben. Daraus folgt die zweite seiner Hypothesen, bei allen ausgewählten distanzmarkierenden Zeichen könne es sich um faktive Verben handeln. Denn wenn jemand beispielsweise etwas „bereut“ (faktiv), ist mitgesagt, was da eigentlich bereut wird und dass es geschehen oder ganz allgemein der Fall ist und es kann interessanterweise auch
nicht negiert werden. Nun liegt aber in der Verwendung des Verbs „bereuen“ gerade keine der gesuchten Distanzmarkierungen – im Gegenteil. Diese Spur führt Kitzerow dann fast automatisch zur dritten These, dass die Kennzeichnung von Distanz durch die Präsuppositionen erfolge, die bei der Verwendung solcher Verben semantisch implizit (bzw. inferenziell) enthalten sind.