Signifikanz der Melancholie
zur diskursiven Konstitution Leonard Cohens
DOI:
https://doi.org/10.15475/skms.2024.1.1Abstract
Kraft und Signifikanz spielen offenkundig in den Befunden des ersten Beitrags zu diesem Heft ineinander. Indem gezeigt wird, wie durch bestimmte semiotische Elemente bestimmte Ausdrucks- und Beschreibungsmuster forciert (force) werden, ist deren Funktion signifikant gesetzt. Alternativen sind zwar nicht zwingend auszuschließen, aber doch als wenig prägnant kaum mehr zu präferieren. Anhand
ausgewählter Textbeispiele, die zu einem kleinen Analysekorpus zusammengefasst wurden, legt Tiziana Hallmann im Beitrag „Signifikanz der Melancholie – Zur diskursiven Konstitution Leonard Cohens“ dar, wie und weshalb dem Künstler innerhalb journalistisch geprägter Diskurse Attribute wie „mystisch“, „melancholisch“ oder „düster“ vermehrt zugeschrieben werden. In diesem Zusammenhang interessiert die Autorin besonders, welche indexikalischen Spuren und Wahrnehmungen die Interpretation semiotisch gestalten und maßgeblich die Assertion forcieren: Leonard Cohen ist Melancholiker. Parallel stellt sie die Frage, weshalb lyrisch-politische Argumente des Musikers eher unverhältnismäßig selten im Diskurs auftreten.
Für ihre Untersuchung verbindet Hallmann den Gedanken einer Intentionalitätszuschreibung von Seiten der Rezeption (Prämisse) mit der Performativitätstheorie, um inferenzielle Prozesse anschaulich herauszuarbeiten und die Anordnungen um dichotome und agonale Zentren herum zu erfassen.